Interventionitis aus dem Hause Darabos

 Norbert DarabosDer Skandal um die bestellten Zahlen zu den Bundesheer-Modellen hat die Glaubwürdigkeit von Verteidigungsminister Darabos völlig zerstört. Wie aufgedeckt, hat er das von ihm präferierte Modell eines Freiwilligen-Heeres schönrechnen lassen, um mit den falschen Zahlen die Abschaffung der Wehrpflicht oder zumindest eine Volksbefragung auf der Basis falscher Annahmen durchzudrücken. Dem strikt verfolgten Parteiinteresse wurde sogar der Chef des Generalstabs geopfert, gegen den das Ministerium eine ausgesprochen miese Kampagne startete und nach dem Prinzip der Täter-Opfer-Umkehr ihm Manipulationen in die Schuhe schieben wollte. Derartiger Umgang mit Kritikern ist jedoch aus dem Darabos-Ressort nichts Neues.

Norbert Darabos

Norbert Darabos

Betretene Mienen bei Darabos und seinem Chef: Die Interventionitis ging
auch diesmal nach hinten los.
Foto: Gerhard W. Loub / flickr

Auf Unzensuriert.at war bereits im März des Vorjahres eine geradezu unglaubliche Geschichte zu lesen, die exakt in dieses Muster passt. Darabos’ Sprecher Stefan Hirsch hatte sich per Mail über den Standard-Journalisten Conrad Seidl beschwert, dem eine Darabos-Pressekonferenz zu Grabungen nach SS-Opfern in der Grazer Kaserne Wetzelsdorf nur eine vierzeilige Meldung Wert war, der aber an anderer Stelle in einem Artikel zum geschrumpften Heeres-Budget anmerkte, dass sich Darabos "lieber darauf konzentrierte, die Geschichte aufzuarbeiten", während er das aufgebrummte Sparziel einfach an das Generalstabsbüro delegierte.

Faschismuskeule gegen Standard-Redakteur

Hirsch schlug zu und bediente sich in seinem Beschwerdemail der Faschismuskeule: "Ich darf anmerken, dass die Bemühungen 'des kroatischen Wehrdienstverweigerers' (wie er von den Rechtsextremen genannt wird) bereits mehrfach ähnlich zynisch von der rechtsextremen Internet-Plattform Alpen-Donau Info kritisiert wurden."

Das Mail ging übrigens nicht an den Journalisten Seidl, sondern an dessen Chef – Standard-Herausgeber Oscar Bronner – wohl mit der Intention, diesen zu Konsequenzen gegen den Redakteur zu bewegen. Wenn man die Karriere eines Kritiker nicht wie im Fall Entacher selbst beenden kann, dann sollen es eben andere erledigen.

Seidl spricht von Diffamierung und Denunziation

Die Sache ging wie so vieles aus dem Hause Darabos damals gründlich schief. Seidl antwortete dem Ministersprecher freundlich, aber bestimmt, und stellte unter anderem fest: „Dass ein Sprecher eines Verteidigungsministeriums einen Journalisten durch die Unterstellung einer niedrigen Gesinnung zu diffamieren und denunzieren versucht, kommt sonst eigentlich nur in Staaten mit wenig gefestigter demokratischer Kultur vor.“

Seidl war es übrigens auch, der zuletzt die Einmischung des Verteidigungsministeriums in die Modellberechnung publik machte. Gemeinsam mit seiner Kollegin Saskia Jungnikl scheint er als Verfasser jenes Artikels auf, der diesen Skandal aufdeckte.

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