Der Integrationsstaatssekretär als Dönerci

Sebastian Kurz war es bei Amtsantritt ein vordringliches Anliegen, mit Migrantenfunktionären ins Gespräch zu kommen. Die Zeitschrift biber nützte sogleich die Gelegenheit und interviewte das neue Regierungsmitglied. Bei aller Jovialität konnten die Blattmacher letztlich der Versuchung nicht widerstehen, mit dem politischen Leichtgewicht Federball zu spielen.

Am Brunnenmarkt lässt sich Kurz von den biber-Mitarbeitern in einen Dönerstand stellen. Inmitten türkischer Backwaren und Dosengetränke lächelt er brav in die Kamera. Darüber wird dann beim Layout die Frage platziert: „Würden Sie von diesem Mann einen Döner kaufen?“.

Kurz und Döner

Kurz und Döner

Nur mäßige Dönerkompetenz, dafür viel Unterwürfigkeit bewies
Sebastian Kurz im Interview mit dem Migrantenmagazin biber.
Fotos: uldo / flickr (CC BY-NC-ND 2.0) und jvponline / flickr (CC BY-ND 2.0)

Gleich zu Beginn des Gesprächs weist Kurz wieder auf seine Hauptqualifikation hin, nämlich das Erl-Gymnasium in Wien-Meidling mit einem hohen Migrantenanteil absolviert zu haben. Filiz Türkmen, Kopftuchträgerin, spricht die Aussage des 24-Jährigen an, er habe auch Freundinnen mit Kopftuch. Die Antwort lässt von dieser Behauptung wenig bis nichts übrig: „Ich hatte in meiner Zeit als Chef der Jungen ÖVP in Wien viel Kontakt zur muslimischen Jugend. Da hatten wir viele gute Gespräche mit den Funktionärinnen dort.“ Türkmen beschwert sich dann bei Kurz über dessen Forderung, in den Moscheen soll auf Deutsch gepredigt werden, was ungerecht gegen die Türken sei. Kurz erwähnt Sprachdefizite bei Türken, um dann den Rückwärtsgang einzulegen: „Ich möchte zudem betonen, dass ich mich niemals für ein Verbot der Muttersprachen in den Moscheen ausgesprochen habe. Ich habe auch nicht gefordert, dass auf Deutsch gepredigt wird. Ich habe nur vorgeschlagen, dass die Predigten vermehrt auf Deutsch gehalten werden sollen.“

Türkisch als Fremdsprache für Kurz vorstellbar

Türkmen bringt die modern gewordene, aber unsinnige These aufs Tapet, dass allen Migrantenkinder in Österreich zuerst ihre Muttersprache gut gelehrt werden müsse, bevor an einen Deutscherwerb gedacht werden kann und mokiert sich, dass es keinen Türkischunterricht gibt („Was soll das?“). Kurz zeigt sich in seiner Stellungnahme ganz der ÖVP würdig: „Türkisch als Fremdsprache ist für mich vorstellbar. Ich muss nur sagen, dass unser Fokus derzeit voll auf Deutsch ist. Deutsch ist der Schlüssel zur Integration. Aber wenn wir von dieser verkürzten Diskussion in der Öffentlichkeit wegkommen, dann kann ich es mir vorstellen.“

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Zum Schluss wird Kurz noch einem kleinen Sprachtest unterzogen. Mit seinen Vermutungen für biber („scharf“, „Chilli“) kommt er recht nahe (Pfeffer). Beim Schwabo („Schwabe“, „Deutscher“ – südslawischer Spitzname für die alteingesessenen Österreicher) liegt er jedoch deutlich daneben: „Ich denke mir, das ist jemand mit Balkanbackground, der aber gerne in Bobo-Lokale geht oder so.“ Als ihn Türkmen fragt, was „Danke“ auf Türkisch heißt, kapituliert er sofort: „Also jetzt wird es schon hart. Bitte gleich die Antwort.“ Dann wird Kurz von Türkmen aus der Redaktion verabschiedet: „Wenn wir irgendwie helfen können, werden wir es tun.“

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