Erbschleicher – Hochstapler – Kinderschänder?

Der Grüne Karl Öllinger setzte gestern mit Vorwürfen über ein angebliches Bananen-Kühlschiff den an Skurrilität kaum überbietbaren vorläufigen Schlusspunkt in der Stiftungs-Diskussion. Der in finanziellen Dingen offenbar völlig unbeleckte Sozialsprecher der Grünen wollte den Medien die Beteiligung an einem Flottenfonds wohl besonders „deppensicher“ erklären. Um die Kampagne gegen den Dritten Nationalratspräsidenten nicht in der Lächerlichkeit versickern zu lassen, zündete nun die Kronen Zeitung die nächste Rakete. Graf habe sich auf der Liste zur Nationalratswahl 1994 als Rechtsanwalt ausgegeben, der er nicht war.

Tatsächlich war Graf nie Rechtsanwalt und habe dies auch nie behauptet, wie er klar machte. In allen seinen Lebensläufen – etwa auf der Webseite des Parlaments, auf seiner eigenen Webseite oder sogar in dem von ihm kaum beeinflussbaren Online-Lexikon Wikipedia – scheint er von 1992 bis 2002 als Rechtsanwaltsanwärter auf. Und diesen Beruf will Graf auch bei allen Wahlen in diesen Zeitraum angegeben haben. Der Fehler sei nicht ihm unterlaufen, sondern jemand anderem bei der Listenerstellung oder -veröffentlichung.

Medien bekämpfen ihren Gegner FPÖ

Vermutlich werden die Unterlagen gefunden und Grafs Unschuld beweisen, doch es lohnt sich nicht allzu sehr, in der Sache zu argumentieren, denn es geht den Medien nicht um die Verteidigung der Standesehre der Rechtsanwälte, sondern lediglich um die Vernichtung des politischen Gegners. Des eigenen und des Gegners der Regierungsparteien, die mit Inseraten-Millionen die ideologische Positionierung der meisten Journalisten absichern und zusätzlich eine finanzielle Abhängigkeit aufbauen.

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl zieht den naheliegenden Vergleich zu Bundeskanzler Werner Faymann: „Martin Graf hat einen Lebenslauf, der seine beruflichen Stationen genau dokumentiert, und er hat diesen völlig korrekt dem Parlament übermittelt, auf dessen Webseite er abrufbar ist. Werner Faymann speist die Bevölkerung hingegen seit Jahren mit einem Lebenslauf ab, der löchrig ist wie Schweizer Käse und in dem volle sieben Jahre fehlen", so Kickl. Dies sei vor allem vor dem Hintergrund interessant, dass Faymann auch in den anderen Jahren seiner vorpolitischen Ära nichts Bemerkenswertes geleistet habe. Offenbar wolle Faymann hier bewusst Dinge verheimlichen, die für einen Bundeskanzler nicht statthaft sind.

Kommt Kinderschänder, Terrorist oder Bankräuber?

Selbstredend interessiert das die Medien nicht, und auch der Hinweis darauf, den Kickl in einem Interview für das Ö1-Mittagsjournal gab, wurde natürlich herausgeschnitten. Kickl erwartet noch mehr: „Ich bin schon gespannt, welche Enthüllungen über Martin Graf morgen die Titelblätter der heimischen Zeitungen füllen werden. Kommt nach dem Erbschleicher und dem Hochstapler jetzt noch der Kinderschänder? Oder der Terrorist? Oder Bankräuber?"

Graf in Umfragen unantastbar

Dennoch wirkt die Kampagne nicht mehr so richtig. Der Kurier ist die dritte Zeitung, die den Dritten Nationalratspräsidenten zur Abstimmung durch die Leser freigibt, zur Sicherheit eingebettet in einen Artikel über Burschenschaften, in dem der "doppelte Scharlatan" Andreas Peham alias (Dr.) Heribert Schiedel zu Wort kommt.. Zum dritten Mal – nach der Kronen Zeitung und Heute – scheint die Sache daneben zu gehen. Aktuell steht es 50 zu 50. Graf weiß also einen wesentlich höheren Prozentsatz hinter sich als sich bei Umfragen zur FPÖ bekennt.

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